Erfolgreich durch genaue Marktinformationen
mla. Die gute Idee für ein geniales neues Produkt
ist nicht zwangsläufig gleichbedeutend
wie Markterfolg. Diese Weisheit bewahrheitete
sich gerade in der schnelllebigen ITIndustrie
in der Vergangenheit immer wieder.
Wie oft verschwanden eigentlich gute,
tolle Produkte, revolutionäre Technologien
und innovative Firmen, weil es ihnen nicht
gelang, sich am Markt durchzusetzen – Next,
OS/2, Tokenring, ATM sind nur einige Beispiele.
Warum waren sie nicht erfolgreich?
Ein Grund könnte sein, dass man bei der
Marktbearbeitung zu wenig systematisch
vorging. Wurde das Marktpotenzial seriös
analysiert? Wurden die Kundenzielgruppen
genau evaluiert? Waren die Entscheidungsträger
bei den potenziellen Kunden bekannt?
Wurden diese systematisch bearbeitet?
Daten, die diese Fragen beantworten, liefert
Profondia mit Sitz in Urdorf. Geschäftsführer
Martin Maurer ist überzeugt, dass sich
nur mit genauen Informationen über den
zu bearbeitenden Markt nachhaltige Markterfolge
erzielen lassen. Die IT steckt in einer
Umbruchphase, getrieben durch den fortschreitenden
Trend zu Virtualisierung und
den Trend, IT-Lösungen als Managed Service
oder Cloud-Dienst anzubieten. Damit
wird die Profilierung möglicher Zielgruppen
noch komplexer. Denn damit ist neu auch
von Bedeutung, auf welche Art und Weise ein
Dienst bezogen wird, während es vorher nur
interessant war zu wissen, wer welche Lösung
einsetzt. Profondia erhebt diese und weitere
Daten flächendeckender.
Für Reseller und Systemintegratoren können
solche Marktdaten einen signifikanten Mehrwert
bei der Marktbearbeitung bieten. Denn
wer weiss, wer sein Kunde ist, welche installierte
Basis an Hard- und Software dieser bei
sich in Betrieb hat und wie der Budgetverantwortliche
vor Ort heisst, kann seine Marketingmittel
gezielt und effizient einsetzen.
Im folgenden Fachartikel beleuchtet Martin
Maurer, wie sich die IT-Landschaft und damit
die Profile der IT-Anwender in der Schweiz in
den letzten Jahren verändert haben. Im Interview
spricht er darüber, wie er die Qualität
der Daten hoch halten kann, die er mit Profondia
erhebt.
Das Wunschkundenprofil im Wandel der Zeit
Die Geschichte der IT ist geprägt durch geniale Ingenieursleistungen und technologische Durchbrüche. Aber nicht alle
genialen Erfindungen setzten sich am Markt auch durch. Oft haperte es an einer seriösen Marktanalyse und damit an der
richtigen Vermarktungsstrategie.
Unzählige Male konnten wir in den vergangenen
Jahrzehnten miterleben, wie eigentlich
tolle, gute Produkte, revolutionäre Technologien
und innovative Firmen kamen und
wieder verschwanden, weil es ihnen nicht
gelang, sich am Markt durchzusetzen – man
erinnere sich etwa an Next, OS/2, Tokenring,
ATM. Die Liste könnte fast endlos fortgesetzt
werden. Egal wie revolutionär ein technologisches
Konzept ist oder wie blendend
der Marktauftritt inszeniert wird: Wer nicht
weiss, welche Kunden für seine Lösung in
Frage kommen, und wie gross das Marktpotenzial
effektiv ist, überlässt den kommerziellen
Erfolg dem Zufall.
Innovation, Marktstruktur und Marktbearbeitung
Die Suche nach der möglichst präzisen Definition
der Kunden-Zielgruppe wurde immer
auch massgeblich durch den aktuellen Stand
der Technologie geprägt. In den Mainframe-
Zeiten war die Kompatibilität mit den eingesetzten
Grossrechnern der entscheidende
Faktor, um mögliche Kunden zu identifizieren.
Als PCs und Client/Server-Konzepte
Einzug hielten, wurde die Hardware-Kompatibilität
in den Hintergrund gedrängt und
die eingesetzten Anwendungen gewannen
an Bedeutung. Plötzlich waren es nicht mehr
nur die grossen Unternehmen, die über
stattliche IT-Budgets verfügten. Vielmehr
wurde die Abhängigkeit von einem schnellen
Informationsfluss massgebend für den
Umfang des ICT-Einsatzes in einer Firma,
wodurch sich das Marktpotenzial im KMUUmfeld
entscheidend erweiterte.
Um diese neuen, grossen Kundensegmente
optimal betreuen zu können, mussten die Vertriebsstrukturen
angepasst werden. Indirekte
Vertriebsmodelle wurden zum zentralen Pfeiler
einer effizienten Marktbearbeitung. Nun
galt es aber auch, Channel-Konflikte zu vermeiden.
Neben der Frage, welches Angebot
für welchen Kunden interessant sein könnte,
stellte sich plötzlich auch die Frage, welcher
Vertriebspartner am besten für die Betreuung
eines bestimmten Kunden geeignet war. Um
die zunehmende Komplexität der Marktbearbeitung
in den Griff zu bekommen, wurde
massiv in den Ausbau von CRM-Systemen
investiert. Leider übersah man dabei aber
in manchen Fällen, dass auch das perfekteste
System nicht funktionieren kann, wenn
dieses mit veralteten Daten gefüttert wird
und sich niemand um die Aktualisierung
der Kundendaten kümmert. In vielen Fällen
verkamen die CRM-Systeme so innert kurzer
Zeit zu reinen Reporting-Tools, die einzig
über den aktuellen Stand der Sales-Pipeline
Auskunft gaben. Der Mangel an qualifizierten
Daten führte in gewissen Fällen auch dazu,
dass neben den Investitionen in das CRMSystem
auch die Marketingausgaben massiv
anstiegen, da mangels präziser Kundendaten
nun wieder bereite Markbearbeitungs-Salven
abgefeuert werden mussten, ganz nach dem
Motto "Masse statt Klasse".
Von Konjunkturwellen und Lernkurven
Interessant ist auch zu beobachten, wie sich
der konjunkturelle Zustand der Wirtschaft
auf die Vertriebsaktivitäten der verschiedenen
Akteure auswirkt. Boomt das Geschäft,
so haben die Hersteller meist die Vorgabe,
schneller als der Markt zu wachsen und intensivieren
die Marktbearbeitung entsprechend.
Gleichzeitig drosseln Systemintegratoren und
Reseller oft ihre Akquisitionstätigkeit, denn
gerade in der Schweiz kämpfen diese nicht
mit fehlender Nachfrage, sondern mit dem
Mangel an Fachkräften für die Realisierung
der vorhandenen Projekte.
Flaut das Wirtschaftsklima wieder ab, kann
exakt der gegenläufige Trend beobachtet
werden: Die Hersteller werden von ihren
Konzernhauptsitzen zur Kostendisziplin
angehalten – auch bei der Marktbearbeitung
–, während die einheimischen Systemhäuser
plötzlich Massnahmen ergreifen müssen, um
drohenden Löchern in der Auftragspipeline
vorzubeugen.
Systematik und Kontinuität scheinen sich
langfristig beim Aufbau einer Marktpräsenz
mehr als auszuzahlen. Es fällt auf, dass gerade
Akteure, die während der Turbulenzen der
Finanzkrise solide Geschäfte machten oder
gar zulegen konnten, viel Wert auf eine fortlaufende
Marktpräsenz legen und sich aktiv
mit fortschrittlichen Lösungen und qualitativ
hochstehenden Dienstleistungen profilieren
konnten. Wenn von den Marktteilnehmern
zu hören war: "Krise? Wenn das eine Krise ist,
kann sie noch gerne zehn Jahre dauern."
Dass die IT-Branche nicht nur für Innovationen,
sondern auch für Lernfähigkeit steht,
scheint das Verhalten der internationalen
Informatikkonzerne während der Finanzkrise
zu bestätigen. Schlechte Konjunkturaussichten
und der Schock der Attentate vom
9. September hatten 2002 und 2003 noch dazu
geführt, dass viele global tätige Konzerne ihre
Aktivitäten weltweit nach dem Rasenmäher-
Prinzip zurückfuhren. Als Resultat wurden
dann sogar Märkte mit einer intakten Nachfrage,
wie Osteuropa, Russland oder zum Teil
auch die Schweiz, nicht mehr optimal betreut
und Geschäftspotenzial verschenkt.
Bei der letzten Finanzkrise wurde um einiges
genauer differenziert und die Aktivitäten
auf die Länder und Branchen konzentriert,
in denen nach wie vor Investitionen getätigt
wurden. In der Schweiz war zum Beispiel
spürbar, wie viele Anbieter den Akquisitions-
Fokus von den Grossbanken und der
Industrie zu den lokalen Geldinstituten und
dem öffentlichen Sektor verschoben.
Der Schweizer IT-Markt: Klein aber oho!
Gerade im überschaubaren Schweizer Markt
lohnt sich ein strukturiertes Vorgehen bei der
Akquisition. Viele ausländische Beobachter
sind zuerst überrascht, wie bedeutend der
hiesige IT-Markt im europäischen Vergleich
ist. Die Informatikausgaben der Schweizer
Unternehmen betragen je nach Sektor oft ein
Mehrfaches des europäischen Durchschnitts.
Relativ hohe Lohnkosten und der personalintensive
Dienstleistungsbereich führen dazu,
dass Schweizer Firmen permanent auf der
Suche nach Technologien sind, mit denen
sich die Produktivität steigern lässt.
Bei internationalen Lancierungen neuer
Lösungen, die glaubhaft Effizienzsteigerungen
versprechen, sind die Chancen zudem
gross, dass die erste Anfrage für eine Offerte
von einem Schweizer Unternehmen kommt
oder die erste Pilot-Installation hierzulande
stattfinden wird. Obwohl die demografische
Pyramide nach Firmengrösse in der
Schweiz flach ist, ist das Marktpotenzial auch
bei KMUs äusserst beeindruckend. Wenn
im europäischen Ausland zum Beispiel nur
Firmen ab 100 PC-Arbeitsplätzen für ein
bestimmtes Produkt infrage kommen, können
in der Schweiz schon lukrative Geschäfte
mit Firmen abgeschlossen werden, die nur 30
bis 50 PCs einsetzten. Es lohnt sich also, bei
der Potenzialanalyse genau hinzuschauen.
Cloud Services – Die Karten werden neu
gemischt
Durch den verstärkten Trend, IT-Lösungen
als Managed Service oder Cloud-Dienst
anzubieten, wird die Profilierung möglicher
Zielgruppen noch um eine Dimension komplexer.
Neu ist nicht nur von Bedeutung, wer
welche Lösung einsetzt, sondern auch, in
welcher Form diese bezogen wird und welcher
Provider den Dienst leistet.
So ist schon heute ein Trend zu gemischten
IT-Betriebskonzepten sichtbar, bei denen ein
Teil des Equipments oder der Applikationen in
eine Cloud ausgelagert wird, andere Elemente
aber nach wie vor im Unternehmen betrieben
werden. Um ein aussagekräftiges Profil
über einen potentiellen Kunden erstellen zu
können, ist es jetzt auch plötzlich essentiell,
für jedes einzelne Element der IT-Umgebung
einer Firma eine Aussage machen zu können,
ob dieses lokal, remote, als Managed Service
oder gar als Cloud-Dienst eingesetzt wird.
Diese neuen Betriebskonzepte werden einen
nachhaltigen Einfluss auf die Amortisationszeiten
der IT-Infrastruktur und die Bindung
der Kunden an die Lieferanten haben und
somit auch die Verkaufszyklen und Vermarktungsstrategien
beeinflussen. Es ist daher nur
eine logische Konsequenz, dass neue Allianzen
zwischen Integratoren, RZ-Dienstleister
und Hersteller entstehen. Bei Produkten mit
einem geringen Komplexitätsgrad wird sicher
ein Standardisierungstrend und ein Konkurrenzkampf
einsetzen, der hauptsächlich über
den Preis ausgetragen wird. Bei Lösungen,
die in die Geschäftsprozesse eingreifen, kann
es aber durch die Verstärkung des Serviceaspektes
zu einer weiteren Individualisierung
des Informatikeinsatzes kommen, denn mit
intelligenten Geschäftsprozessen lässt sich
für jedes Unternehmen eine wahrnehmbare
Differenzierung erzielen. Geschäftlicher
Erfolg bedingt Innovation, und Innovation
bedeutet heute sowohl im Dienstleistungssektor
als auch im Fertigungsbereich und
Gewerbe den Einsatz von Informationstechnologien.
Informatik ist schon lange zu einem
Teil des Kerngeschäfts der ganzen Schweizer
Wirtschaft geworden.